Das Gehirn als kognitiver Geizkragen

„Ferdinand ist Physiker, ist doch klar, dass er die mitreißendsten Präsentationen im Unternehmen gibt!“ Kommt dir dieser Satz komisch vor? Vielleicht sogar ironisch? Dann bist du wahrscheinlich in die Falle eines „Unconscious Bias“ getappt, eine unbewusste Voreingenommenheit. Wir haben nämlich nicht gelernt, dass Physiker besonders mitreißend sind, sondern eher sachlich und logisch.

Unbewusste Vorurteile, sogenannte „Unconscious Bias“ schlummern in jedem von uns. Sie beeinflussen unsere Entscheidungen, ob wir wollen oder nicht. Schlicht und einfach, weil Vereinfachung ein zentraler Mechanismus in unserem Gehirn ist. Unser Gehirn nimmt gedankliche Abkürzungen, handelt nach Faustregeln und reproduziert stereotype Bilder, also Vorurteile. Im Prinzip agiert unser Gehirn als „kognitiver Geizkragen“ und arbeitet damit gleichermaßen effizient wie ressourcenschonend.

Wer kennt das nicht? Man lernt jemanden kennen, findet heraus, dass man viel gemeinsam hat und gleich ist einem die Person sympathischer. Dies liegt daran, dass wir Situationen, Personen oder Verhalten immer durch unseren ganz persönlichen Filter betrachten. Dieser Filter ist geprägt durch Kultur, Sozialisation, Bildung und weitere wertbestimmende Erfahrungen. Das heißt, dass wir Dinge, Sachverhalte und Personen unbewusst voreingenommen betrachten.

„Es ist leichter, einen Atomkern zu spalten als ein Vorurteil“

Albert Einstein